AAIC 2026: Bluttests ebnen den Weg für die Zukunft der Diagnosetechnologie
Demenz gilt seit Langem als eine grundsätzlich schwer zu behandelnde Erkrankung. In den letzten Jahren hat die Forschung zu Alzheimer und anderen Demenzformen jedoch mit dem Aufkommen neuer Medikamente einen entscheidenden Wendepunkt erreicht. Da sich die Behandlungsmöglichkeiten erweitern, ruhen die Hoffnungen nun auf Diagnoseverfahren, die eine möglichst frühzeitige Erkennung der Krankheit und damit eine angemessene Behandlung ermöglichen.

Im Juli 2026 findet die Internationale Konferenz der Alzheimer-Vereinigung statt. Die AAIC 2026 fand in London, England, statt. Sie zählt zu den größten internationalen Konferenzen im Bereich der Demenzforschung. Über 10.000 Forscher und Mediziner aus verschiedenen Ländern nahmen teil und diskutierten angeregt über die neuesten Forschungsergebnisse in der Diagnostik und Therapie. Naoki Kaneko, Leiter der Anwendungsgruppe im Koichi-Tanaka-Forschungslabor für Massenspektrometrie, vertrat Shimadzu auf der Konferenz. Wir befragten ihn zu den weltweiten Veränderungen in der Forschung sowie zur Zukunft der Demenzforschung.
Trends in der Demenzforschung als Folge therapeutischer Medikamente
Bisher lag der Fokus in der Demenzbehandlung auf der Diagnose nach Auftreten der Symptome und der anschließenden vorübergehenden Verbesserung der kognitiven Funktionen. Nun stehen jedoch Antikörpermedikamente *1 zur Verfügung, die direkt auf die Ursache der Erkrankung einwirken. Anstatt lediglich Symptome zu behandeln, besteht nun die Möglichkeit, den Krankheitsverlauf selbst zu kontrollieren. Die Demenzforschung tritt in eine neue Phase ein.
- *1. Antikörpermedikamente: Arzneimittel, die sich die körpereigenen Immunmechanismen zunutze machen. Diese Medikamente wirken, indem sie an spezifische Krankheitserreger binden. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie ihre Zielstrukturen erreichen und eine hohe therapeutische Wirksamkeit bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen erzielen.
Auch auf der AAIC 2026 wurden Fälle berichtet, in denen sich das Krankheitsstadium nach Behandlungsbeginn nicht verschlechterte, sowie Fälle mit Anzeichen einer Besserung. Für die Patienten mehren sich die hoffnungsvollen Ergebnisse. Könnte das Demenzrisiko und der Allgemeinzustand des Patienten anhand eines Bluttests bestimmt werden, ließen sich deutlich mehr Menschen frühzeitig untersuchen. In diesem Zusammenhang ruhen erneut große Erwartungen auf Shimadzus Forschung zu Blutbiomarkern (BM) *2, einer langjährigen Initiative des Unternehmens, die massenspektrometrische Verfahren nutzt.
- *2. Biomarker (BM): Substanzen, die im Körper verstoffwechselt werden und Hinweise für die Früherkennung und Diagnose von Krankheiten liefern können.
Naoki Kaneko, Leiter der Anwendungsgruppe, Koichi Tanaka Massenspektrometrie-Forschungslabor
Bis vor etwas mehr als zehn Jahren standen viele Forscher Blutbiomarkern skeptisch gegenüber. Nachdem Shimadzu und das japanische Nationale Zentrum für Geriatrie und Gerontologie 2018 jedoch eine Studie veröffentlichten, die den Nutzen von Amyloid-Beta im Blut belegte, wurden weltweit Forschungsergebnisse zu Blutbiomarkern publiziert. Mit dem Aufkommen neuer Medikamente hat die Bedeutung von Bluttests zudem zugenommen. Auf der diesjährigen AAIC wurden mehrere Forschungsergebnisse zu Blutbiomarkern, die aus Proteinmolekülen wie phosphoryliertem Tau und GFAP bestehen, vorgestellt.
Gleichzeitig wurde häufig die Ansicht vertreten, dass einzelne Moleküle allein komplexe Krankheitszustände nicht vollständig erfassen können. Die Alzheimer-Krankheit schreitet über viele Jahre fort, und die Veränderungen im Körper variieren je nach Krankheitsstadium. Zudem treten mitunter mehrere neurodegenerative Erkrankungen gleichzeitig auf. Moleküle zur Beurteilung von Nebenwirkungen und Wirksamkeit von Medikamenten fehlen bisher, daher müssen neue biologische Marker entdeckt und die Analyseverfahren weiterentwickelt werden, um genauere Diagnosen zu stellen und therapeutische Effekte zu bewerten.
Was lässt sich mit Massenspektrometrie beobachten?
Kanekos Präsentation auf der diesjährigen AAIC befasste sich mit Techniken zur Analyse von Amyloid-beta, einem Biomarker der Alzheimer-Krankheit. Bisherige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu Amyloid-beta nutzten große Massenspektrometer. Messungen mit Tischgeräten *3 zeigten eine noch höhere analytische Leistungsfähigkeit. Dieses Ergebnis stellt einen wichtigen Schritt hin zur zukünftigen praktischen Anwendung und breiten Akzeptanz von Bluttests dar. Die Präsentation bekräftigte die hohen Erwartungen an die Massenspektrometrie in der Demenzforschung.
- *3. Tischgeräte: Vergleichsweise kleine Analysegeräte, die auf einem Labortisch Platz finden. Sie sind leichter einzuführen als größere Modelle und dürften die Verbreitung und Durchführung zukünftiger Tests erleichtern.

Naoki Kaneko, Leiter der Anwendungsgruppe, Koichi Tanaka Massenspektrometrie-Forschungslabor
Derzeit sind immunologische Methoden *4 die primären Analysemethoden für Bluttests bei Demenz. Auf der diesjährigen AAIC 2026 war ein deutlich gestiegenes Interesse an der Massenspektrometrie als vielversprechender Technik für zuverlässigere Messungen zu beobachten. Insbesondere wird erwartet, dass die Massenspektrometrie eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Molekülen spielen wird, die mit immunologischen Methoden nicht ausreichend erfasst werden können, sowie bei der Suche nach neuen Biomarkern. Daher werden wir die Massenspektrometrie und die Probenvorbereitungstechniken weiterentwickeln, neue Methoden zur Analyse von Aggregaten entwickeln und nach klinisch relevanten Biomarkern suchen.
- *4. Immunologische Methoden: Analytische Methoden zur Messung von Proteinen im Blut, die die Neigung von Antikörpern zur Bindung an spezifische Substanzen nutzen.
Was nur Shimadzu kann
Bei Shimadzu verfügen wir neben massenspektrometrischen Verfahren und Probenvorbereitungstechniken zur Unterstützung von Bluttests auch über TOF-PET-Systeme zur Bildgebung von Hirnläsionen. Die Kombination von Bluttests und diagnostischer Bildgebung ermöglicht es Shimadzu, Lösungen für den gesamten Prozess von der Diagnose bis zur Therapieevaluation anzubieten. Zukünftig, mit zunehmender Beschleunigung der Demenzforschung und der breiteren Verfügbarkeit von Medikamenten, wird es notwendig sein, Patienten zeitnah eine Diagnose zu stellen, um eine individuell angepasste und geeignete Behandlung zu ermöglichen. Die auf der AAIC 2026 gewonnenen Erkenntnisse vermittelten ein klares Gefühl des Fortschritts in Richtung dieser Zukunft. Shimadzu wird die Demenzforschung weiterhin sowohl mit massenspektrometrischen als auch mit bildgebenden Verfahren unterstützen und so zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beitragen.
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